Vorschau auf die 32. Auktion

Unsere 32. Auktion wird am Samstag, den 14. März 2026, stattfinden. Insgesamt kommen an diesem Tag knapp 800 Positionen zum Aufruf. Das Angebot reicht von Werken der Alten und Modernen Kunst bis hin zu Schmuck und Uhren sowie alten und antiken Teppichen. Auf einige Objekte soll hier kurz etwas näher eingegangen werden.

Alte Kunst

Das älteste Objekt aus unserem Angebot ist ein Lorbeerblatt-Dolch aus Luristan (Los 223), einer Landschaft im mittleren Zagros-Gebirge im Westen des heutigen Iran. Die aus Bronze gegossene, 25 cm lange Waffe, die sicher als Grabbeigabe diente, stammt aus der Mitte des 3. Jahrtausends v. Chr. Der moderne Name der Waffe leitet sich ab von der Form des Dolchblattes, das einem Lorbeerblatt ähnelt. Beeinflusst wurde dieser Typus durch den jüngerfrühdynastischen Lorbeerblatt-Dolch aus den Königsgräbern von Ur im südlichen Zweistromland, dessen Kulturkreis über Elam (Susa) bis nach Luristan ausstrahlte (vgl. CALMEYER, Peter, Datierbare Bronzen aus Luristan und Kirmanshah, Berlin 1969, S. 17-20 [dort werden 21 vergleichbare Dolche des 3. Jahrtausends v. Chr. aufgelistet, wobei es auch den Typus gibt, bei dem Griff und Blatt miteinander vernietet sind]).

In die römische Antike führt uns der Torso eines auf einem Klappstuhl sitzenden Eroten(?) oder jungen Mannes mit einem langen Umhang, der vom Rücken über den Schoss geführt ist (Los 226). Die aus Marmor vollrund gearbeitete Figur hat eine Höhe von 34 cm. Sie ist von hoher bildhauerischer Qualität und kann in das 1.-2. Jahrhundert n. Chr. datiert werden, wobei sie wohl auf ein späthellenistisches Vorbild des 2. Jahrhunderts v. Chr. zurückgehen wird.

Bei der Büste des Homer (Los 390) bieten wir eine klassische Antikenkopie an, die im 18. Jahrhundert oder sogar davor entstanden sein wird. Die prächtige Bildhauerarbeit ist eine Kopie der Homerbüste der Sammlung Farnese. Diese war eine römische Kopie eines verlorenen hellenistischen Vorbilds des 2. Jahrhunderts v. Chr. im sog. „Blindentypus“. Die schon in der Mitte des 16. Jahrhunderts gefundene Büste der Sammlung Farnese wurde in der Folgezeit um die Nase und ein Stück der Wange ergänzt. Schließlich gelangte sie 1786/87 durch Erbschaft von Rom nach Neapel (Neapel, Museo Archeologico, Inv. 6023) und wurde seit dem Ende des 18. Jahrhundert dort öfter kopiert. Es ist aber durchaus auch möglich, dass es nicht nur Nachahmungen, sondern auch ältere detailgetreue Wiederholungen der Büste ab dem 17. Jahrhundert gab, als diese sich noch in Rom im Palazzo Farnese befand; siehe z.B. Kassel Inv.-Nr. F 365, Ende 17. bis Anfang 18. Jh., vermutlich von François Girardon (1628–1715).

Aus dem umfangreichen Angebot an christlicher Kunst sei hier auf eine Pietà aus Kalkstein (Los 410) verwiesen, die in Lothringen um 1430 entstanden ist. Die äußerst qualitätsvolle, großformatige Skulptur (Höhe 61 cm) lässt sich der Werkstatt des „Meisters der Grablegungsgruppe von Pont-à-Mousson“ zuweisen, die in Lothringen unter starken burgundischen Einfluss zwischen 1420-1440 tätig war. Der schmale Gesichtstypus mit den spaltartigen Augen und der hohen Stirn, die Darstellung der langen, offen fließenden Haare, der weiche, leicht „lächelnde“ Mund und die schlanken, graziösen Finger verbinden die hier vorliegende Figur auf das Beste mit einer Magdalena aus Ancemont, Dép. Meuse (heute Louvre, Paris) sowie einer weiteren Magdalenenfigur aus Nancy, Cordelierskirche, die von unbekannter Herkunft ist (siehe hierzu HOFMANN, Helga D., Die lothringische Skulptur der Spätgotik – Hauptströmungen und Werke (1390-1520), Veröffentlichungen des Instituts für Landeskunde des Saarlandes 7, Saarbrücken 1962, S. 86-88, Abb. 66-67).

In diesem Zusammenhang sei auch auf ein sehr qualitätsvolles Tafelbild eingegangen, das den vom Kreuz abgenommenen Christus in den Armen der Gottesmutter zeigt (Los 321). Auf der Rückseite der kleinen Kupfertafel (26 x 20,2 cm) findet sich ein später(?) aufgemaltes Dürer-Monogramm. Bei dieser Pietà handelt es sich wohl um das „berühmteste sakrale Bildnis Europas am Ende des 16. Jahrhunderts“, das in den verschiedensten Kunstgattungen (insbesondere aber den Bronze- und Silberplaketten) in der gesamten europäischen Kunst rezipiert wurde und mit dem spanischen Kolonialismus bis nach Mittel- und Südamerika gelangte. Während die frühen Zeugnisse des Bildmotivs auf eine Ausgestaltung des Hintergrundes verzichteten, zeigen spätere Rezeptionen häufig eine reiche Architekturstaffage oder eine Ansicht der Richtstätte von Golgatha. Unklar ist bis heute jedoch, welcher Künstler dieses Bildmotiv schuf bzw. welchem Kunst- und Kulturkreis es ursprünglich überhaupt entstammte. So wurde neben einer deutschen, eine italienische, eine flämische und gar eine spanische Herkunft von den unterschiedlichen Kunsthistorikern erwogen, wobei man stillschweigend davon ausging, dass es von einem Bildhauer, Rotschmied oder Medailleur geschaffen wurde. Während zuletzt eine deutsche Herkunft aufgrund sehr früher Belege (datiert 1589) als plausibel erschien [so vermutete als Erster Edmund Braun einen deutschen Ursprung der Pietà und verortete ihre Entstehung in das Augsburg des späten 16. Jahrhunderts, siehe BRAUN, Edmund Wilhelm Braun (1918): Die Deutschen Renaissanceplaketten der Sammlung Alfred Walcher Ritter von Molthein in Wien, Wien 1918, Nr. 194-95, S. 69], haben neuere Forschungen eine Entstehung dieser Pietà in der Werkstatt des Guglielmo della Porta (1515–1577) vorgeschlagen. So gilt heute ein vergoldetes Bronzerelief des della Porta-Mitarbeiters Jacob Cornelis Cobaert (1535-1615), das dieser in Rom um 1569 nach einem Entwurf von Guglielmo della Porta schuf, als die älteste Darstellung. Dieses Relief zeigt die Pietà in einer Landschaft, während im Hintergrund eine Ansicht von Jerusalem erscheint (siehe RIDDICK, Michael, A Renowned Pieta by Jacob Cornelis Cobaert, 2017, Abb. 01, https://renbronze.com/2017/07/16/a-renowned-pieta-by-jacob-cornelis-cobaert/). Tatsächlich wirkt auch diese Darstellung mit seiner reichen Architekturstaffage nicht wie der „Prototyp“ der Pietà, der vielleicht viel eher in der Malerei oder der Graphik des 16. Jahrhunderts zu suchen ist. Wie dem auch sei, die hier vorliegende Darstellung dürfte zu den frühesten Darstellungen dieser Form der Pietà gehören. Sie wird in der 2. Hälfte des 16. Jahrhunderts in Süddeutschland (Augsburg?) geschaffen worden sein.

Aus der Kunst des 19. Jahrhunderts, die mit Bronzen, Skulpturen und Gemälden reich vertreten ist, soll hier lediglich auf ein Gemälde der Romantik von Johann Georg Sauter II (1758-1840) eingegangen werden (Los 284). Das Gemälde des selten auf dem Kunstmarkt angebotenen Malers zeigt eine detaillierte Ansicht auf Rüdesheim vom hochgelegenen Niederwald-Tempel aus und entstand um 1820. Der im Jahre 1790 von Graf Ostein errichte Aussichtstempel avancierte in der Romantik zu einem Mittelpunkt der Geistesgrößen dieser Zeit. So zählten nicht nur Dichter und Literaten, wie Goethe und Brentano, sondern auch Musiker wie Beethoven zu seinen begeisterten Besuchern. 1944 durch alliiertes Bombardement völlig zerstört, wurde er schließlich nach alten Abbildungen erst im Jahre 2006 wieder detailgetreu rekonstruiert.

Moderne und Zeitgenössische Kunst

Ebenso reich wie das Angebot an Alter Kunst ist das der Modernen und Zeitgenössischen Kunst. Hier finden sich mehrere Künstler der sogenannten „Verschollenen Generation“, wie z. B. Edvard Frank, Kurt Lauber oder Rudolf Möller. Im Bereich der deutschen Nachkriegskunst sei auf vier Arbeiten von Herbert Zangs (1924-2003) verwiesen. Neben einer “verweißten“ Collage aus dem Jahr 1975, ist auch ein eindrucksvolles Unikat aus der berühmten Werkreihe „Antibücher“ aus dem Jahr 1977 im Angebot (Los 599). Diese Werkgruppe begann Zangs 1975 und war mit einzelnen Werken daraus im Jahr 1977 Teilnehmer an der Documenta 6 in Kassel. Ein großer Teil dieser Werkreihe befindet sich heute in der Sammlung der Stiftung Preußischer Kulturbesitz in Berlin, so dass sie auf dem Kunstmarkt nicht allzu häufig anzutreffen sind.

Ein Zeitgenosse von Zangs war der Karlsruher Künstler Heinz Schanz (1927-2003). In dieser Auktion bieten wir zwei Werke aus den 50er Jahren von ihm an. Die in Tempera auf dünnem Karton ausgeführte farbenkräftige Arbeit (Los 537) aus dem Jahr 1953 ist ein frühes Werk des Karlsruher Künstlers, der zusammen mit Horst Antes, Walter Stöhrer und Hans Baschang bei HAP Grieshaber studierte. Als Mitbegründer der „Neuen Figuration“ in Karlsruhe gilt er als einer der prägenden Künstler für die südwestdeutsche Malerei der Nachkriegszeit.

Beispielhaft für die zeitgenössische Kunst sei hier auf eine Arbeit des koreanischen Künstlers Tchun Mo Nam (*1961) verwiesen (Los 583). Die in Mischtechnik aus Kunstharz, Fasern und Acryl auf Leinwand ausgeführte Arbeit aus dem Jahre 2009 mit dem Titel „Beam 2009“ war in der Ibu Gallery, Paris, 2009 ausgestellt. Der 1961 in Daegu, Südkorea geborene Künstler studierte von 1982-1989 Malerei an der Keimyung Universität, Daegu Korea. Er gehört zu den führenden Vertretern der sog. Dansaekhwa-Bewegung, die sich der abstrakten Malerei in Südkorea verschrieben haben. Der seit 2006 in Köln und Daegu arbeitende Künstler hat eine völlig eigene Sprache gefunden, in dem er die zweidimensionale Leinwand mit einer Struktur aus Kunstharz und Fasern beschichtet. Damit schafft er eine dritte strukturelle Ebene, die Licht und Schatten wirft. Im Jahre 2019 zeigte das Ludwig Museum Koblenz die Ausstellung „Nam Tchun Mo – Gesture in Space“.

Wir wünschen viel Vergnügen beim Durchblättern des Kataloges.